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Der neue ev.-luth. Landesbischof von Bayern Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm (Foto: Ev.-luth. Kirche in Bayern).

  Neuer Landesbischof offiziell eingeführt    04.11.2011

Nürnberg (br-online.de). Die evangelischen Christen in Bayern haben einen neuen Landeschef. Heinrich Bedford-Strohm wurde am Sonntag in der Nürnberger Lorenzkirche offiziell in sein Amt eingeführt. Der Theologieprofessor schlug in seiner Rede auch kritische Töne an.

Sein Amtkreuz erhielt Bedford-Strohm am Sonntag (30.10.) aus der Hand von Gerhard Ulrich, dem stellvertretenden Leitenden Bischof der Vereinigten Evangelsich-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). Traditionell fand der feierliche Erführungsgottesdienst in der Nürnberger Lorenzkirche statt.

Kritik an ungleichen Lebensbedingungen

In der Nürnberger Lorenzkirche ist der neue bayerische evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in sein Amt eingeführt worden. In seiner Antritts-Predigt hat er sich für mehr soziale Gerechtigkeit stark gemacht.

In seiner Predigt beklagte der neue Landesbischof die ungleiche Verteilung von Gütern auf der Welt: "Es ist moralischer Irrsinn, wenn jeden Tag Tausende von Menschen sterben, weil wir es nicht schaffen, unsere globale Wirtschaft so zu organisieren, dass alle leben können." Auch die Ellbogengesellschaft kritisiert er. Die Seele der Politik sei krank, sagte Bedford-Strohm, wenn es nur "um die klügste Starategie zum Machterhalt" gehe und nicht um die Sache. Dem stellt der 51-Jährige die christliche Botschaft entgegen. Jesus nehme den Menschen mit auf dem Weg in die Freiheit: "Ich muss nicht mehr Leistung, Erfolg oder Wohlverhalten hinterher rennen, sondern ich darf einfach sein. Ich darf einfach Mensch sein."

1.200 Gäste waren bei der Messe dabei, darunter Politiker und zahlreiche Vertreter der evangelischen Kirche. Sie wünschten Bedford-Strohm Gottes Segen für seine zwölf Jahre dauernde Amtszeit. "Seien Sie uns herzlich willkommen", sagte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), und der katholische Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, hofft auf eine Zusammenarbeit in "ökumenischer Verbundenheit".

Vorfreude auf die neue Aufgabe

Die Erwartungen an ihn sind groß, doch aufgeregt ist Heinrich Bedford-Strohm nicht. "Ich habe bereits jetzt viele Erfahrungen gemacht, die meinen Appetit auf die neue Tätigkeit steigern", sagte er vor dem Einführungsgottesdienst.

Einführung traditionell in Nürnberg

Die Predigtstätte des evangelischen Landesbischofs in Bayern ist die Matthäuskirche in München. Der Einführungsgottesdienst für einen neuen Landesbischof findet aber traditionell in Nürnberg statt. "Das soll zeigen, dass wir einen Landesbischof für ganz Bayern haben", sagt der Nürnberger Stadtdekan Jürgen Körnlein. Außerdem spiele Nürnberg seit der Reformation eine bedeutende Rolle für die evangelische Kirche. Die florierende Reichsstadt schloss sich 1525 der Reformation an. Noch heute prägen die beiden großen evangelischen Kirchen St. Lorenz und St. Sebald die Altstadt von Nürnberg.

Überraschende Entscheidung

Der Bamberger Theologieprofessor wurde im April zum neuen Landesbischof gewählt. Von einem Tag auf den nächsten ist aus dem Bamberger Professor ein Mensch der Öffentlichkeit geworden. Für viele Beobachter war dies eine überraschende Entscheidung. Bedford-Strohm kommt nicht aus dem Kirchenapparat, war vorher nicht im Landeskirchenamt tätig und war bis zu seiner Wahl in der Öffentlichkeit nicht wirklich bekannt.

Heinrich Bedford-Strohm arbeitete bislang überwiegend als Wissenschaftler. Er lehrte an der Universität Bamberg Systematische Theologie und Theologische Gegenwartsfragen. Er war aber auch Seelsorger. So predigte er lange in Coburg. Sein neues Amt tritt er für zwölf Jahre an. Anders als in der katholischen Kirche bleibt ein evangelischer Landesbischof formal einfacher Pfarrer seiner Landeskirche und wird nicht zum Bischof geweiht.

Einsatz für die Ökumene

Während seiner Amtszeit wolle er den Menschen "Lust auf Glauben machen", kündigte der 51-Jährige an. Ein weiteres wichtiges Thema für ihn ist die Ökumene. Von vornherein betonte Bedford-Strohm, dass nur eine Ökumene auf Augenhöhe, als gleichberechtigter Partner, Sinn macht. Mit Kardinal Reinhard Marx, mit dem er in diesem Bereich künftig viel zu tun haben wird, verbindet ihn sein großes Interesse für Sozial- und Wirtschaftsethik.

 



Dr. Johannes Friedrich, früherer ev.-luth. Landesbischof von Bayern (Foto: basisbibel.de).

  Scheidender VELKD-Bischof: Kein Stillstand in der Ökumene   04.11.2011

Magdeburg (epd). Der scheidende Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Johannes Friedrich, ist dem Eindruck entgegengetreten, in der evangelisch-katholischen Ökumene gebe es einen Stillstand.

"Dem möchte ich klar widersprechen", sagte er am Donnerstag in seinem Bericht vor der lutherischen Generalsynode in Magdeburg. Friedrich fügte hinzu: "In gewisser Weise hat auch der Besuch des Papstes das bestätigt, obwohl so manche meinten, sie hätten mehr erwartet."

Friedrich wertete es als ersten Schritt zur Rehabilitierung des Reformators Martin Luthers (1483-1546), dass die ökumenische Begegnung mit dem Papst im Erfurter Augustinerkloster stattgefunden hat. Bei der Gelegenheit habe Benedikt XVI. auch die Luther umtreibende Gottesfrage positiv aufgenommen. "Das sollten wir nicht unterschätzen", fügte der Theologe hinzu.

Auch wenn "spektakuläre Schritte" auf Seiten der Kirchenleitungen ausgeblieben seien, sei das Vertrauen "beständiger, verlässlicher, selbstverständlicher, belastungsfähiger" geworden, argumentierte der Leitende VELKD-Bischof. Dies habe sich an einigen Konfliktpunkten gezeigt, die hätten aufgebauscht werden können. Durch vertrauensvolle Gespräche hätten sie schnell erledigt werden können, sagte Friedrich. Der Einspruch gegen die Ökumene habe an Plausibilität verloren, und an der kirchlichen Basis an vielen Orten gebe es deutliche Fortschritte.

Wahl des neuen leitenden Bischofs

Mit Blick auf das Reformationsjubiläum 2017 warb der Leitende Bischof dafür, sich dessen unterschiedliche Zielrichtungen klar zu machen. Neben der gesamtgesellschaftlichen Wirkung und der Selbstvergewisserung der Kirche habe der 500. Jahrestag des Thesenanschlags von Wittenberg als Adressaten auch die einzelnen Gläubigen: "Es geht um die reformatorische Entdeckung, die dem Einzelnen den Blick für seine Gottesbeziehung eröffnet."

Im Rückblick auf seine Amtszeit sagte Friedrich, er habe versucht den Zusammenschluss der lutherischen Kirchen zusammenzuhalten und die Verbindung mit der Evangelischen Kirche in Deutschland zu stärken. Sein Anliegen sei es gewesen, die lutherische Kirche dort zu stärken, wo sie ein besonderes Profil aufweise, und sich nicht bei bekenntnisunabhängigen Themen zu engagieren, wo es die EKD tue.

Am Freitag wählt das lutherische Kirchenparlament einen neuen Leitenden Bischof, da die Amtszeit von Friedrich nach sechs Jahren endet. Als einziger Kandidat gilt der Schleswiger Bischof Gerhard Ulrich, der bisher Stellvertreter des Leitenden Bischofs ist.

Lutherische Generalsynode nimmt Beratungen auf

Unter der Überschrift "Die Begegnung mit dem Anderen - Das Wagnis der Mission" befasst sich die Synode bis zum 8. November schwerpunktmäßig mit interkulturellen Aspekten von Mission und deren Rückwirkung auf das gemeindliche Leben in Deutschland. Weitere Themen der Beratungen sind der Bericht des Catholica-Beauftragten der VELKD, Landesbischof Friedrich Weber, das Pfarrdienstrechtsneuordnungsgesetz sowie Einbringung und Beschluss zur Agende IV "Berufung - Einführung - Verabschiedung".

Die Generalsynode besteht aus 50 Mitgliedern, die zugleich der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) angehören. Sie findet zeitlich und örtlich verbunden mit der EKD-Synode und der Vollkonferenz der unierten Kirchen statt. Die VELKD ist ein Zusammenschluss von acht evangelisch-lutherischen Landeskirchen mit rund zehn Millionen Gemeindemitgliedern.

 



Dr. Walter Fleischmann-Bisten, Leiter des Konfessionskundlichen Instituts in Bensheim (Foto: Funck, Bensheim).

  Ökumenische Ernüchterung: Ökumenischer Lagebericht des Evangelischen Bundes 2011    07.10.2011

Bensheim (kib). Mit dem Ökumenischen Lagebericht legte der Leiter des Konfessionskundlichen Instituts, Walter Fleischmann-Bisten, am 6. Oktober 2011 vor der Mitgliederversammlung des Evangelischen Bundes die Einschätzung der aktuellen ökumenischen Lage vor. Vom 6. bis 9. Oktober tagt die 103. Generalversammlung des Evangelischen Bundes in Hofgeismar.

Die Deutschland-Reise Papst Benedikts XVI. im September 2011 wertete Fleischmann-Bisten als „ernüchternd“. Dabei bezog er sich ausdrücklich auf die These der früheren EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann, sie erwarte von diesem Papst nichts in der Ökumene. Fleischmann-Bisten: „Man könnte allenfalls ergänzen: nichts außer ökumenischen Gesten und Hinweisen auf das bereits gemeinsam Erreichte und dessen Bewahrung.“ Ökumene habe aber eine Funktion im Dienst an den Menschen: „Ich meine aber, dass Erkenntnisse und Ergebnisse ökumenischer Dialoge zu einer Erleichterung des alltäglichen Umgangs unter Christen verschiedener Konfession werden sollten und könnten.“ In Abgrenzung zum Ökumenebeauftragten der Deutschen Katholischen Bischofskonferenz, Bischof Gerhard Ludwig Müller, stellte der Generalsekretär des Evangelischen Bundes fest: „Keinesfalls war die Begegnung des Papstes mit Vertreterinnen und Vertretern evangelischer Kirchen in Deutschland eine „Sternstunde der Ökumene’“.

Mit dem Titel „Warum nicht auch mal nach Canossa?“ wies Fleischmann-Bisten auf die Notwendigkeit hin, im Zuge des Reformationsjubiläums 2017 die Frage nach der wechselseitigen Heilung der Erinnerungen neu zu stellen. Er erinnerte an den Kirchenhistoriker und früheren Präsidenten der Berliner Humboldt-Universität, Christoph Markschies, der meinte, durch eine positivere Beurteilung Luthers und kritischeren Sicht der Reformation könnte das Jubiläum von 2017 ökumenisch begangen werden: „Wir könnten jeweils unsere Anteile an Schuld bekennen, aber auch würdigen, welche vorwärtsweisenden und befreienden Wirkungen aus ihr erwachsen sind.“ Auch Nikolaus Schneider setzte sich bei der Begegnung mit dem Papst in Erfurt dafür ein, Erinnerungen an wechselseitige Verletzungen aus der Kirchenspaltung vor 500 Jahren zu heilen und Wege zur Aussöhnung zu eröffnen. Den Bekenntnisschriften der Reformation wurden schon vor geraumer Zeit Anmerkungen mit klärenden Hinweisen beigegeben, die die frühere Polemik trotz der bestehenden Lehrunterschiede als heute nicht mehr zeitgemäß bezeichnen. Fleischmann-Bisten formulierte seine Vision einer möglichen wirklich ökumenischen Geste: Vergleichbar mit den Formulierungen Papst Pauls VI. und des ökumenischen Patriarchen Athenagoras I. von Konstantinopel vom 7. Dezember 1965 zur Beendigung des Schismas von 1054 könnte der 2017 (oder 2021) amtierende Papst erklären, das Exkommunikationsurteil gegen Martin Luther „aus dem Gedächtnis und aus der Mitte der Kirche (zu) tilgen und (es) dem Vergessen anheim(zu)geben“.

Der Ökumenische Lagebericht 2011 erscheint als epd-Dokumentation und (in Auszügen) im Materialdienst des Konfessionskundlichen Instituts (MdKI) 6/2011.

 



Gerhard Ludwig Müller, röm.-kath. Bischof von Regensburg und Vorsitzender der Ökumene-Kommission der DBK (Foto: Bistum Regensburg).

  Deutsche Bischofskonferenz trifft Personalentscheidungen   07.10.2011

Fulda (KAP). Am dritten Tag ihrer Vollversammlung hat die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) weitere Personalentscheidungen bekannt gegeben. So bleibt der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller (63) Vorsitzender der Ökumene-Kommission. Bereits am Mittwoch war der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle zum neuen stellvertretenden Vorsitzenden der DBK gewählt worden.

Als Vorsitzender der Ökumene-Kommission bleibt Müller damit maßgeblich für die Gestaltung des Lutherjahres und des Reformationsgedenkens 2017 von katholischer Seite verantwortlich. Der Bischof leitet auf katholischer Seite auch die Gespräche des Päpstlichen Einheitsrates in Rom mit dem Internationalen Lutherischen Weltbund, in denen die Möglichkeiten für ein gemeinsames Begehen des 500. Jahrestages der Reformation ausgelotet werden. Müller kündigte hierzu das baldige Erscheinen eines entsprechenden Dokumentes an.

Der Regensburger Bischof hatte nach dem Papstbesuch in Deutschland betont, Benedikt XVI. habe den Reformator Martin Luther bei seinem Besuch im Erfurter Augustinerkloster rehabilitiert, indem er die "theologische, christozentrische Dimension der Theologie Luthers" gewürdigt habe. "Luther wollte die Einheit der Kirche und eine Erneuerung der Kirche in Jesus Christus", erklärte Müller: "Er wollte keine Kirche, die sich nach ihm benennt, und er wollte schon gar nicht, dass sich seine Bewegung in unterschiedliche kirchliche Gemeinschaften aufgesplittert hat."

An die Protestanten appellierte der Bischof, sich angesichts des bevorstehenden Reformationsgedenkens 2017 von "antiquierten Klischees" zu verabschieden. "Identitätsbildung auf Kosten der anderen sollten wir uns verbieten", riet er. Müller schlug zudem vor, dass der 31. Oktober 2017 "ein Tag des gemeinsamen Bekenntnisses zu Jesus Christus in einer säkularisierten Zeit werden" solle. Die vier vorangegangenen Reformationsjubiläen hätten den Graben zwischen den Konfessionen vertieft.

Bereits am Mittwoch war Bischof Norbert Trelle zum neuen stellvertretenden Vorsitzenden der DBK gewählt worden. Trelle ist Nachfolger des Aachener Bischofs Heinrich Mussinghoff, der nach zwölf Jahren nicht mehr für dieses Amt kandidierten konnte.

Trelle ist 69 Jahre alt und stammt aus Kassel. 1968 wurde er in Köln zum Priester geweiht. 1992 wurde er Weihbischof in Köln. Seit 2005 ist er 70. Bischof von Hildesheim. In der DBK hat er weitere wichtige Ämter: So ist er seit 2008 auch Vorsitzender des einflussreichen Verwaltungsrates des Verbandes der Diözesen Deutschlands. Außerdem meldet er sich immer wieder als Sprecher der DBK-Migrationskommission zu Flüchtlingsfragen zu Wort. Zuletzt hatte er seine Forderung nach einem dauerhaften Bleieberecht für langjährig geduldete Flüchtlinge erneuert.

 



Bischof Anba Damian, Generalbischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland (Foto: Cwindusks).

  Orthodoxe mahnen West-Kirchen: "Ohne Kreuz kein Christentum"    06.10.2011

Goslar (idea). Die westlichen Kirchen brauchen eine Neubesinnung auf die Kernbotschaft des christlichen Glaubens: den Kreuzestod und die Auferstehung Jesu Christi. Das hat der russisch-orthodoxe Theologe Alexander Vasyutin auf dem 4. Ökumenischen Bekenntniskongress der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften angemahnt.

„Die Kirchen des Westens müssen sich erneut daran erinnern, dass es ohne Kreuz kein Christentum gibt“, sagte der im Außenamt des Moskauer Patriarchats tätige Priester am 4. Oktober in Goslar (Harz). Bei manchen Kirchen stehe nicht mehr der „gekreuzigte Herr“ im Mittelpunkt. Vielmehr gehe es um politisch relevante Themen und das Ziel, das Reich Gottes auf Erden zu bauen. Eine Kirche ohne Kreuz verwandele sich jedoch in eine heidnische Religion, die nur das irdische Glück der Menschen zum Ziel habe. Deshalb sei es notwendig, die zentrale Bedeutung der Kreuzesbotschaft wiederzuentdecken. Mit seinem Opfertod habe Jesus Christus „seine höchste Demut und Liebe zur Welt“ gezeigt. „Wir brauchen also nicht die Ökumene der Redekunst, sondern die Ökumene des Kreuzes“, so Vasyutin. Der Ehrenpräsident der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften, der Missionswissenschaftler Prof. Peter Beyerhaus (Gomaringen bei Tübingen), plädierte dafür, das theologische Gespräch zwischen bibel- und bekenntnistreuen Protestanten und Orthodoxen zu intensivieren. Die orthodoxen Kirchen hätten frühzeitig erkannt, dass der Weltkirchenrat dem Zeitgeist verfallen sei.

Verfolgten Kopten beistehen

Der Generalbischof der Koptisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland, Anba Damian (Höxter), rief auf dem Treffen zu größerer Solidarität mit den verfolgten Kopten in Ägypten auf. Man dürfe diese Minderheit, die gewalttätigen Übergriffen radikaler Muslime schutzlos ausgeliefert sei, nicht im Stich lassen. Immer wieder komme es vor, dass christliche Mädchen vergewaltigt und entführt würden. Nach dem Machtwechsel herrsche Angst und Verunsicherung. Christen und Muslime hätten zwar gemeinsam für demokratische Reformen demonstriert, aber jetzt versuchten islamische Kräfte, die Revolution für ihre Zwecke zu nutzen. Aus Sorge um die Zukunft hätten viele Kopten mit guter Ausbildung und Auslandskontakten Ägypten verlassen. Der Bischof äußerte sein Unverständnis, dass Deutschland sich weigere, gut qualifizierte Kopten aufzunehmen. So hätten in Ägypten christliche Ärzte wegen ihres Glaubens keine beruflichen Perspektiven. „Sie könnten für uns in Deutschland ein Segen sein“, so Damian.

 



Vorsitzender des Rates der EKD, Nikolaus Schneider, und Papst Benedikt XVI. am 23.09.2011 in Erfurt (Foto: KNA-Bild).

  EKD-Chef für gegenseitige "Bitte um Vergebung" der Kirchen   30.09.2011

Bonn (epd). Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, hat für das Reformationsjubiläum 2017 eine gegenseitige "Bitte um Vergebung" der Kirchen vorgeschlagen. Mit einem ehrlichen Blick auf die Geschichte könnten beide Seiten schauen, "wo wir aneinander schuldig wurden", sagte Schneider am Donnerstag der Deutschen Welle in Bonn. So könne man frei miteinander feiern. Dieses Angebot habe die EKD in Erfurt bei der Begegnung mit Papst Benedikt XVI. unterbreitet. Das Jubiläum dürfe keine "verkniffene Geschichte" werden.

Beim Ökumene-Treffen mit Benedikt am 23. September in Erfurt hatte die EKD die katholische Seite zur gemeinsamen Feier des Reformationsjubiläums 2017 eingeladen und dazu aufgerufen, aus diesem Anlass Wege der Aussöhnung zu gehen. In sechs Jahren will die EKD an den 500. Jahrestag des Thesenanschlags Martin Luthers (1483-1546) an die Schlosskirche in Wittenberg erinnern. Das Ereignis markiert den Beginn der Reformation.

Schneider äußerte Verständnis für Enttäuschung, die nach dem Treffen mit dem katholischen Kirchenoberhaupt laut wurde. Wer nur den ökumenischen Gottesdienst erlebt habe, "der war sicher enttäuscht". Im Gottesdienst habe der Papst Luther nicht mit einem Wort erwähnt und sich "eher distanzierend bis abwehrend geäußert". Dagegen habe der Papst bei dem nichtöffentlichen Treffen mit der EKD vor dem Gottesdienst in seiner Würdigung Luthers "durchaus positive Signale" gesetzt, betonte Schneider, der auch Präses der Evangelische Kirche im Rheinland ist.

Innerhalb der nächsten Wochen solle es Klarheit darüber geben, ob aus der Erfurter Begegnung "etwas Weiteres erwachsen kann", fügte Schneider hinzu. Zugleich wandte er sich dagegen, dass der Vatikan weitere Gespräche lediglich mit dem Lutherischen Weltbund führe. Die 1999 unterzeichnete Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre, über die Protestanten und Katholiken jahrhundertelang gestritten hatten, hatte der Vatikan mit dem Weltbund der lutherischen Kirchen sowie dem Weltrat Methodistischer Kirchen ausgehandelt.

Es sei wichtig, "die Gesprächsfäden zu sortieren", empfahl Schneider. Er würde sich für die Zukunft ein stärker geordnetes Verfahren der Beteiligung der EKD wünschen. Falls es dabei bleibe, dass sie nur mit einem Gesprächspartner beteiligt sei, "dann brauchen wir eine Form der Mandatierung".

 



Erzengel Michael am Kölner Dom (Foto: Andreas Tille).

  4. Ökumenische Michaelis-Vesper   30.09.2011

Hannover (OMCT). Zum vierten Mal seit 2008 feierte die Komturei Hannover des Deutschen Tempelherren-Ordens OMCT am vergangenen Sonntag Abend mit der Gemeinde der ev.-luth. Marktkirche St. Georgii et Jacobi die Ökumenische Michaelis-Vesper.

Der Gottesdienst wurde gemeinsam vom ev.-luth. Stadtsuperintendenten Hans-Martin Heinemann und dem alt-katholischen Prior und Ordensmeister des OMCT Dr. Manfred Schneider geleitet. Die Kollekte des Gottesdienstes war dem Frauen- und Kinderschutzhaus Hannover zugedacht.

 

 



Heilige Messe mit Papst Benedikt XVI. am 25. September 2011 auf dem City-Airport-Gelände in Freiburg (Foto: KNA-Bild).

  Papst betont Gemeinsamkeit mit Orthodoxen   30.09.2011

Freiburg (epd). Papst Benedikt XVI. hat die besondere Nähe zwischen katholischem und orthodoxem Glauben hervorgehoben. "Unter den christlichen Kirchen und Gemeinschaften steht uns die Orthodoxie am nächsten", sagte er am Samstag in Freiburg. Bei einer Begegnung mit Vertretern der orthodoxen Kirchen in Deutschland äußerte er die Hoffnung, "dass der Tag nicht ferne ist, an dem wir gemeinsam Eucharistie feiern können".

Als Theologieprofessor und später als Bischof von München und Freising habe er die Kirchen des Ostens durch persönliche Freundschaften "kennen und lieben gelernt", sagte der Papst bei dem Treffen im Freiburger Priesterseminar. In einer Zeit, in der viele Menschen die Gesellschaft zunehmend von Gott "befreien" wollten, setzten sich vor allem die Orthodoxen aus dem Glauben heraus für Verständigung und Völkergemeinschaft ein.

Der Papst würdigte eingehend Fortschritte bei der Einigung über praktisch-pastorale sowie über theologische Fragen zwischen katholischer und orthodoxen Kirchen. Differenzen der Lehre müssten geklärt werden, "weil deren Überwindung für die Wiederherstellung der vollen Einheit, die wir erhoffen und für die wir beten, unerlässlich ist". Dabei gehe es derzeit vorrangig um die Frage nach dem Papstprimat.

Mehr als eine Million Orthodoxe in Deutschland

Metropolit Augoustinos, der die orthodoxe Delegation anführte, erinnerte daran, dass es in Deutschland seit 2010 eine Orthodoxe Bischofskonferenz gibt. Die Konferenz von 19 Bischöfen stecke noch in den Kinderschuhen, sei aber lebensfähig und werde "mit Gottes Hilfe wachsen und gedeihen, zeigte sich Augoustinos überzeugt. Als Aufgabe der Orthodoxen Bischofskonferenz, die er leitet, nannte der griechisch-orthodoxe Metropolit die gemeinsame Interessenvertretung etwa in der innerchristlichen Zusammenarbeit, bei der Medienpräsenz und beim Religionsunterricht. In Deutschland sind die orthodoxen Kirchen mit 1,2 Millionen Mitgliedern die drittstärkste christliche Konfession.

Am Vortag hatte Benedikt im Erfurter Augustinerkloster den Reformator Martin Luther (1484-1546) als Gottsucher gewürdigt. Dabei dämpfte der Papst Erwartungen, er bringe ein "ökumenisches Gastgeschenk" mit. Die von Protestanten geforderte Verbesserung für gemischtkonfessionelle Ehen bei der Eucharistiefeier erwähnte er dabei ebenso wenig wie das 2017 anstehende Reformationsjubiläum.

 



Rektorin Angelika Muttschall und Ordenskanzler Gunnar Nebelung OMCT (Foto: J.-T. Hagen).

  Tempelherren-Orden fördert Grundschule   30.09.2011

Berlin (OMCT). Der Deutsche Tempelherren-Orden OMCT hat seine jahrzehntelange Patenschaft für die Tempelherren-Grundschule in der Boelckestraße in Berlin-Tempelhof mit einer großen Spende fortgesetzt.

Anlässlich der Feier zur Einschulung der Erstklässler der Tempelherren-Grundschule am 20.08.2011 konnte der Ordenskanzler des Deutschen Tempelherren-Ordens, Gunnar Nebelung, einen Spendenscheck in Höhe von 1.000 Euro an die Rektorin Angelika Muttschall überreichen. Die Mittel sind zur Unterstützung der Schule im Bereich der Sozialstation und des Schulsports gedacht. Rektorin Muttschall dankte den Tempelherren für diese willkommene Hilfe in Zeiten knapper öffentlicher Kassen.

 



Dr. Rainer Maria Woelki, röm.-kath. Erzbischof von Berlin (Foto: Erzbistum Berlin).

  Woelki als neuer Berliner Erzbischof eingeführt   29.08.2011

Berlin (epd). Knapp vier Wochen vor dem Besuch von Papst Benedikt XVI. ist der Bischofsstuhl in Berlin wieder besetzt. Mit einem Pontifikalamt wurde der bisherige Kölner Weihbischof Rainer Maria Woelki am Samstag in sein neues Amt an der Spitze des Erzbistums eingeführt. Der 55-Jährige war Anfang Juli von Papst Benedikt XVI. zum Nachfolger des kurz zuvor verstorbenen Kardinals Georg Sterzinsky ernannt worden.

Woelki ist der neunte Erzbischof der erst 1930 gegründeten Diözese. Ihr gehören 390.000 Katholiken aus Berlin, Brandenburg und Vorpommern an. Die Berufung des bis dahin weitgehend unbekannten Theologen Woelki durch den Vatikan hatte ein geteiltes Echo hervorgerufen. Er gilt als Vertrauter des konservativen Kölner Kardinals Joachim Meisner, der in den 80er Jahren selbst Bischof in Berlin war. Woelkis Promotion an der römischen Universität der umstrittenen Vereinigung Opus Dei sorgte für Spekulationen, dass er dort Mitglied sein könnte. Das hat Woelki indes entschieden dementiert.

Bei dem Pontifikalamt in der Hedwigskathedrale wurde Woelki vom Apostolischen Nuntius in Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Périsset, das päpstliche Ernennungsschreiben überreicht. In seiner Predigt rief Woelki die Christen Berlins auf, sich nicht von geringen Mitgliederzahlen der Kirchen entmutigen zu lassen.

"Er kann nicht anders als mitten in der Welt zu stehen"

Dem Gottesdienst in der vollbesetzten Kathedrale wohnten Politiker wie Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) und 33 Bischöfe aus dem In- und Ausland bei, darunter auch mehrere aus Polen. Das Berliner Erzbistum grenzt in weiten Teilen seines Gebietes an Polen und ging in der Weimarer Republik aus dem Erzbistum Breslau (heute: Wroclaw) hervor.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, äußerte sich in seinem Grußwort sicher, dass Woelki "mutig für die Belange des Glaubens und der Gläubigen eintreten" werde. Wer zum Erzbischof des Hauptstadtbistums berufen werde, könne gar nicht anders als mitten in der Welt zu stehen. Woelkis evangelischer Amtskollege in Berlin, Bischof Markus Dröge, betonte die Verbundenheit der beiden großen Kirchen, ungeachtet aller konfessionellen Unterschieden und Meinungsverschiedenheiten in manchen ethischen oder gesellschaftspolitischen Fragen.

 



Der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer SJ (Foto: katholisch.de)

  Bischofskonferenz dämpft Ökumene-Hoffnungen   29.08.2011

Bonn (epd). Knapp vier Wochen vor dem Deutschlandbesuch des Papstes hat der Sekretär der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, Erwartungen auf große Fortschritte in der Ökumene gedämpft.

Ein »ganz großes Ding« sei schon der geplante Besuch von Benedikt XVI. im Erfurter Augustinerkloster, in dem der spätere Reformator Martin Luther lebte. »Der Besuch dieser Stätte ist etwas Außerordentliches, ja Ungeheuerliches«, sagte Langendörfer dem »Focus«. Der Papst wird nach seinen Worten die Rolle Luthers (1483-1546) und der Reformation würdigen, die zum Entstehen der evangelischen Kirchen führte.

Die Betonung der Heiligen Schrift und der Volksfrömmigkeit seien wichtige Anliegen, die die katholische Kirche teile. »Und natürlich wird der Papst eine Position auch zu den schwierigen Seiten der Reformation beziehen«, sagte Langendörfer.

Der Theologe trat der Hoffnung entgegen, der Papst »könnte den Evangelischen nun einen neuen Status verleihen« und die Regeln für das Abendmahl ändern. »Das funktioniert so nicht«, sagte er: »Es gibt offene Fragen und keine Spielräume für rasche, publikumswirksame Entscheidungen.« Bisher ist aus Sicht der katholischen Kirche kein gemeinsames Abendmahl mit Evangelischen möglich.

Nach Überzeugung Langendörfers wird der Papst einen Weg in der Ökumene vorgeben. So könnte es sein, dass die Katholiken »noch stärker von der Idee wegkommen, die evangelische Kirche sei vor allem spalterisch«. Langendörfer: »Die Reformation war nicht nur die Geburt des Protestantismus, sondern auch eine für die Katholische Kirche wichtige Zäsur.« Im Blick auf das Jubiläum der Reformation 2017 wäre eine solche Wahrnehmung der Geschichte des Christentums befruchtend.

Benedikt XVI. besucht Deutschland vom 22. bis 25. September. Stationen seiner Reise sind Berlin, das Bistum Erfurt und Freiburg. Im Erfurter Augustinerkloster ist am 23. September eine Begegnung mit Spitzenvertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) geplant. Die viertägige Reise ist der erste offizielle Besuch Benedikts in seiner deutschen Heimat.

Im Erfurter Mariendom werden zum Papst-Besuch die Heiligen Adalar und Eoban aufgebahrt. Der Papst werde vor ihrem Schrein beten, sagte Martin Hoffmeier vom Bistum Erfurt dem MDR Thüringen. Adalar und Eoban, die einstigen Gefährten des Bistumsgründers Bonifatius liegen in einem Sarkophag in der Krypta des Domes. Zuletzt waren die Reliquien 1954 nach oben in den Dom gebracht worden.

 



Obr. Will Schüßel OMCT (1937 - 2011).

  "De plattdüütsche Schrieversmann, de dootbleeven weer": Ordensbruder Will Schüßel verstorben   28.08.2011

Hannover (OMCT). Am 13. August 2011 verstarb nach langer, tapfer ertragener, schwerer Krankheit unser Ordensbruder Will Schüssel in Hamburg im 75. Lebensjahr.

Der 1937 geborene Sonderschullehrer war in seinem Leben vielfältig ehrenamtlich engagiert, so unter anderem bei den christlichen Pfadfindern in dem von ihm 1987 gegründeten und bis 2010 geleiteten VCP-Stamm St. Raphael in Hamburg-Eidelstedt, im "Eidelstedter Volkstanzkreis", im "Plattdüütsch Krink Eimsbüttel" oder in der "Klingenden Brücke" im Bürgerhaus Lokstedt zur Pflege des europäischen Volksliedgutes. Seine Liebe zur niederdeutschen Sprache und Kultur äußerte sich auch in seiner fast 37 Jahre währenden schriftstellerischen Tätigkeit als plattdeutscher Kolumnist des "Eidelstedter Anzeigers" unter dem Pseudonym "Thies Meester".

Wir trauern um einen Ordensbruder von stets stillem und bescheidenem Auftreten, der durch sein Wirken Spuren bei uns hinterlassen hat. Durch die Handschrift seines Lebens hat er sich Raum in unseren Herzen geschaffen und bleibt mit uns verbunden. Unser Mitgefühl gehört seiner Familie.

NON NOBIS, DOMINE, NON NOBIS, SED NOMINI TUO DA GLORIAM. Psalm 115, Vers 1.

Dr. Manfred Schneider OMCT

Ordensmeister und Ordensprior

 



Prof. em. Reinhard Frieling (Foto: ki-bensheim.de)

  Evangelischer Theologe empfiehlt Papst als Ehrenoberhaupt der Protestanten und Orthodoxen   19.08.2011

Marburg (kna/epd). Wenige Wochen vor dem Deutschlandbesuch von Benedikt XVI. hat der evangelische Theologe Frieling gefordert, den Papst zum Ehrenoberhaupt aller Christen zu ernennen. „Der Traum von der Gemeinschaft aller Christen kann Wirklichkeit werden, wenn Protestanten und Orthodoxe dem Papst die Rolle eines Ehrenoberhaupts der Christenheit antragen.“

„Der Papst kann und sollte bei dieser Vision eine charismatische Führungsrolle einnehmen“, forderte der frühere Religionsprofessor in einem Beitrag für die in Bonn erscheinende ZEIT-Beilage „Christ & Welt“.

Vision zum 500. Jubiläum der Reformation

In außergewöhnlichen Situationen könne der Papst dann „im Namen der ganzen Christenheit“ sprechen. Dies sei mitnichten eine Zumutung für protestantische Christen. „Das Christentum verträte seine Botschaft glaubwürdiger als eine in Tausende Kirchen gespaltene Religion“, so Reinhard Frieling. Das 500. Jubiläum der Reformation im Jahre 2017 sei der richtige Anlass, um diese Vision zu verwirklichen.

Laut Frieling ist Papst Benedikt XVI. wegen seines ökumenischen Engagements schon jetzt ein „Sprecher aller Christen“. Für die Umsetzung dieses Vorschlages forderte er von der katholischen Kirche Kompromisse: „Zugunsten einer neuen Führungsrolle müsste der Papst häufig auf eine hierarchische Durchsetzung seines gesetzgeberischen Anspruchs verzichten“. Zudem müssten die reformatorischen Kirchen ihre „Selbstgenügsamkeit“ aufgeben und „mutig ökumenische Konsequenzen“ ziehen.

Ähnlicher Vorschlag von Landesbischof Friedrich

Einen ähnlichen Vorschlag, der auf eine Kritik in Kirchen und Öffentlichkeit stieß, hatte bereits vor zehn Jahren der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich gemacht. Als Catholica-Beauftragter der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands hatte Friedrich damals gesagt, er könne sich grundsätzlich einen ökumenisch akzeptierten „Sprecher“ der Weltchristenheit im Dienste der Einheit zwischen den Kirchen vorstellen.

Der Papst besucht vom 22. bis 25. September Deutschland. Stationen seiner Reise sind unter anderem Berlin und Freiburg. Neben päpstlichen Messen sind eine Rede vor dem Deutschen Bundestag sowie eine Begegnung mit Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im Erfurter Augustinerkloster geplant.

Reinhard Frieling war langjähriger Leiter des Konfessionskundlichen Instituts der evangelischen Kirche, ist emeritierter Professor für ökumenische Theologie in Marburg und Moderator der „Charta Oecumenica“.

 





  Deutscher Tempelherren-Orden bekundet sein Mitgefühl für die Hinterbliebenen und Verletzten   26.07.2011

Stellungnahme zu den Behauptungen des Täters

Hannover (OMCT). Junge Menschen und Erwachsene sind Opfer von zwei schwerwiegenden Terrorakten geworden. Der Deutsche Tempelherren-Orden empfindet tiefen Schmerz und Trauer aufgrund der vielen Toten und verletzten, traumatisierten Menschen. Wir sind fassungslos, wie ein Mensch – derart von Hass und Gewalt geblendet - eine solche unfassbare und nicht erklärbare Tat begehen konnte.

In Gedanken und im Gebet ist der Deutsche Tempelherren-Orden mit den Angehörigen der Toten verbunden. Wo alle Worte versagen, kann nur die Empfindung des Herzens das wiedergeben, was uns alle eint: In unser aller Herzen leben die Toten weiter und im Gebet bleiben wir mit ihnen in lebendiger Verbindung. Den Verletzten an Leib und Seele wünschen wir alle erdenkliche Hilfe, damit sie wieder in ihr Leben zurückfinden können, das ein anderes sein wird, als das bisherige.

Der Deutsche Tempelherren-Orden weist das Ansinnen des Täters, religiös motiviert zu sein, entschieden zurück:

Das Christentum in seiner Gesamtheit ist dem Gebot Jesu verpflichtet: „Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen.“ (Mt 5,44) Alle, die sich dem christlichen Glauben verpflichtet fühlen, schaffen weder Feindbilder, noch üben sie Gewalt aus. Alle, die sich dem christlichen Glauben verpflichtet fühlen, achten das Gebot, das Jesus  zu den zwei wichtigsten Geboten rechnet: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Mt 22,39) Alle Menschen ohne Ausgrenzung sind unsere Nächsten und allen Menschen darf in keiner Weise ein Leid zugefügt werden.

Der Deutsche Tempelherren-Orden weist das Ansinnen des Täters, in der Tradition der Kreuzritter zu stehen und als Tempelritter gehandelt zu haben, entschieden zurück:

Der Täter handelte weder im Namen der Templerorden noch stand er in irgendeiner Verbindung zu unserem Orden. Der Deutsche Tempelherren-Orden und die anderen Nachfolgeorden der Ritterorden, die bei den Kreuzzügen gegründet wurden – Templerorden, Malteserorden, Deutscher Orden – verurteilen die Gräueltaten, die in Namen der Christenheit damals verübt wurden. Als christlicher und ökumenischer Ritterorden sind wir der Gewaltlosigkeit, der tätigen Nächstenliebe und der Einheit der Christen in Vielfalt verpflichtet.

Die Ordensdamen und Ordensritter des Deutschen Tempelherren-Ordens beten für die Verstorbenen, die Verletzten und die Angehörigen. Der Orden gedenkt ihrer im monastischen Stundengebet. In der Ordenskapelle in Oberderdingen findet am Sonntag, 31.07.2011, ein Requiem für die Verstorbenen statt.

Dr. Manfred Schneider  OMCT

Ordensmeister und Ordensprior

 



Papst Benedikt XVI.

  Papst: Kirche ist keine Sozialorganisation   03.07.2011

Vatikanstadt (KAP). Papst Benedikt XVI. hat vor einer Verwässerung des kirchlichen und christlichen Profils gewarnt. Ohne ein klares öffentliches Bekenntnis zum Glauben und zur christlichen Gemeinschaft als "Volk Gottes" drohe das kirchliche Leben zu verarmen, sagte er am Samstag vor Pilgern aus der apulischen Diözese Altamura. Es müsse klar sein, dass die Kirche nicht eine soziale oder philanthropische Organisation sei wie viele andere. Zentrale Bedeutung habe vielmehr die Bindung der Gläubigen an das Wort Gottes und an die Eucharistie, aus der die Glaubensverkündigung und das christliche Zeugnis der Nächstenlieben ihren Antrieb erhielten.

Die heutige Epoche sei von Licht und Schatten gekennzeichnet, betonte der Papst bei der Audienz in der vatikanischen Nervi-Halle. Das heutige Verhalten der Menschen sei vielfach sehr komplex, dazu gehörten Egoismus, Narzissmus, Besitz- und Konsumdenken und mangelndes Verantwortungsbewusstsein. Das alles führe zu einer geistigen Orientierungslosigkeit und Sinnkrise. Zugrunde lägen ihnen aber ein Leugnen der transzendenten Dimension des Menschen und seiner Beziehung zu Gott, so der Papst.

 



Röm.-kath. Pfarrer Bernd Langer, Affiliierter des OMCT.

  Zurück nach Hause - Kommissarischer Dechant Bernd Langer verabschiedet sich aus Göttingen    03.07.2011

Göttingen (st-godehard-goettingen.de/kpg). Fast 13 Jahre war er Pfarrer in Göttingen, jetzt zieht es ihn zurück in seine Heimatstadt Hannover: Am 1. November wird der kommissarische Dechant des Dekanates Göttingen, Bernd Langer, Pfarrer in St. Marien in Hannover.

Dass er Priester werden wollte, wusste Bernd Langer schon in jungen Jahren: „Seit meiner Firmung mit 15 war mir das klar“, erinnert er sich. „Ich hatte einfach ein positives Bild von der Kirche.“ Bereits als Jugendlicher engagiert er sich ehrenamtlich als Pfarrjugendleiter in seiner Heimatgemeinde in Hannover. Wie wichtig dieses Engagement Freiwilliger ist, das weiß er erst richtig zu schätzen, seitdem er selbst Pfarrer einer Gemeinde ist: „Ohne die Ehrenamtlichen läuft nichts.“ Denn die Aufgaben, die er im Laufe der Zeit wahrgenommen hat, seien immer umfangreicher geworden. Als Langer am 1. Advent 1998 die Pfarrstelle in St. Heinrich und Kunigunde in Göttingen-Grone übernahm, waren noch zwei weitere Geistliche in der Gemeinde aktiv, kümmerten sich um die zur Seelsorge-Einheit gehörenden Kirchorte St. Hedwig in Adelebsen und St. Marien in Dransfeld. Heute ist Langer alleiniger Pfarrer der neuen Großgemeinde St. Godehard mit vier Kirchorten im Landkreis, das bedeutet allein am Wochenende zwei Vorabendmessen und drei Sonntagsgottesdienste, dazu umfangreiche Verwaltungsaufgaben. In den vergangenen drei Jahren war Langer zudem zusätzlich kommissarischer Dechant des Dekanates mit seinen rund 28 000 Katholiken. „Aber in erster Linie bin ich Pfarrer“, betont er.

Und als solcher lagen ihm immer besonders die Jugendlichen am Herzen. Vor seiner Zeit in Göttingen war Langer vier Jahre lang Jugendseelsorger des Bistums Hildesheim, hat dort die Sternsingerdankmesse eingeführt. Seitdem lädt der Bischof einmal im Jahr die Sternsinger aus dem ganzen Bistum nach Hildesheim ein, um ihnen für ihr Engagement zu danken. Dieses Ritual in ähnlicher Weise auch in der Universitätsstadt, seit Langer in Göttingen Pfarrer ist: Hier besuchen die Sternsinger des ganzen Dekanates einmal im Jahr den Bürgermeister im Alten Rathaus.

Kraft für seinen Alltag schöpft Langer auch aus der Priestergemeinschaft Jesus Caritas, deren Bundesvorsitzender er 2003 bis 2009 war. Einmal im Monat treffen sich die Mitbrüder aus dem Bistum Hildesheim und den benachbarten Diözesen Erfurt und Fulda auf dem Hülfensberg. „Das erweitert meinen Horizont jedes Mal.“

Nach seinem Abschied aus der Universitätsstadt zieht es ihn wieder an seinen Geburtsort: Langer wird Pfarrer der Gemeinde St. Marien in Hannover mit etwa 10 800 Katholiken – „für Hannoveraner Verhältnisse ist das eher klein“. Außerdem wird dort auch ein neues Internationales Katholisches Zentrum gebaut, das die italienische, spanische und kroatische katholische Mission unter seinem Dach beherbergen wird. „Ich freue mich auf die neue Aufgabe. Das ist schon ein bisschen wieder nach Hause kommen.“

Pfarrer Bernd Langer wurde am 25. Juni 1962 in Hannover geboren. Nach dem Theologiestudium in Münster und Straßburg wird er 1988 in Hildesheim zum Priester geweiht. Nach seiner Kaplanszeit unter anderem in Braunschweig wird er 1994 Jugendseelsorger des Bistums Hildesheim. Am 1. Advent 1998 wechselt Bernd Langer als Pfarrer der Gemeinde St. Heinrich und Kunigunde mit den Kirchorten St. Hedwig in Adelebsen und St. Marien in Dransfeld nach Göttingen. Seit dem 1. September 2008 ist er Pfarrer der neuen Großgemeinde St. Godehard in Göttingen mit den Kirchorten St. Heinrich und Kunigunde, St. Hedwig und St. Marien  und übernimmt das Amt des kommissarischen Dechanten. Pfarrer Langer ist Affilierter des Deutschen Tempelherren-Ordens OMCT.

 



St. Ansgar predigt den Nordmännern das Evangelium, Propsteikirche St. Johann, Bremen.

  Ökumene: Richtlinien für Verhaltenskodex in der Mission präsentiert   30.06.2011

Genf (KAP). "Mission gehört zutiefst zum Wesen der Kirche. Darum ist es für jeden Christen unverzichtbar, Gottes Wort zu verkünden und seinen Glauben in der Welt zu bezeugen." Mit diesen Worten beginnt ein neues Dokument mit Richtlinien für das "christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt", das am Dienstag in Genf präsentiert wurde. Erarbeitet wurde das Papier, das ausdrückliche Empfehlungen zu einer vertieften ökumenischen und interreligiösen Zusammenarbeit in den nationalen Kirchen enthält, gemeinsam vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK), dem Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog sowie der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) in einem fünfjährigen Konsultationsprozess.

Konkret entfaltet das Papier Grundlagen und Prinzipien für die bewusst begrifflich weit gefasste Arbeit der Mission und empfiehlt den christlichen Kirchen die Gründung von "nationalen und regionalen konfessionellen Zusammenschlüssen und Missionsorganisationen" und die Ausarbeitung von "Verhaltensrichtlinien für das christliche Zeugnis". Dabei hält das Papier fest, dass "das Vorbild und die Lehre Jesu und der frühen Kirche" das zentrale "Leitbild für die christliche Mission" sei. Zugleich bedeute ein glaubhaftes Zeugnis in der heutigen Welt den "Dialog mit Menschen, die anderen Religionen und Kulturen angehören" und ein gemeinsames Engagement für "Gerechtigkeit, Frieden und Gemeinwohl".

Unter den vom Papier benannten Prinzipien der Missionsarbeit findet sich u.a. ein unbedingter Aufruf zur ökumenischen Solidarität, zu einem vorbildhaften Leben und Handeln des Christen, zu einem sozialen und caritativen Handeln, das eine wesentliche Dimension der Mission ausmache, sowie die unbedingte "Ablehnung von Gewalt und Machtmissbrauch" jeder Art.

Wörtlich heißt es in dem Papier: "Überall dort, wo irgendeine Religion für politische Zwecke instrumentalisiert wird und wo religiöse Verfolgung stattfindet, haben Christen den Auftrag, als prophetische Zeugen solche Handlungsweisen anzuprangern." Auch ruft das Papier die Kirchen auf, sich nachhaltig für die Sicherung der Religionsfreiheit einzusetzen, da diese unmittelbar der von Gott gegebenen Würde des Menschen entspringe.

Bei der Präsentation des Dokuments in Genf unterstrich der Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, Kardinal Jean-Louis Tauran, dass es heute einer neuen "umfassenden Vision vom Dialog" der Kirchen und Religionen bedürfe - und dass die Kirchenleitungen in der Pflicht stünden, eine solche Vision zu entwerfen. Die katholische Kirche selbst lehne laut Tauran "nichts von alledem ab, was in anderen Religionen wahr und heilig ist". Christen seien heute gehalten, religiöse Konflikte zu überwinden und so "die Wahrheit Gottes in glaubwürdiger Weise darstellen".

Von einem "historischen Moment" sprach bei der Präsentation auch der Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz, Geoff Tunnicliffe. Und der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, Olav Fykse Tveit, betonte, dass das Papier eine "Inspiration" für die christlichen Kirchen sein wolle, "ihren eigenen Verhaltenskodex, der an ihre jeweilige Situation angepasst ist, auszuarbeiten".

> "Das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt" im Originalwortlaut.

 



Die Taufe des Jesus von Nazareth durch Johannes den Täufer, Illustration im Stundenbuch des Herzogs von Berry „Très Riches Heures" (15. Jahrhundert).

  Bischof Weber wirbt für ökumenische Taufen   30.06.2011

Hannover (epd). Der Catholica-Beauftragte der lutherischen Kirchen, Landesbischof Friedrich Weber aus Braunschweig, unterstützt den Wunsch von Eltern nach ökumenischen Taufen. Für Ehepaare, bei denen ein Elternteil evangelisch und das andere katholisch sei, wäre dies ein Fortschritt, sagte der braunschweigische Bischof am Montag bei einem ökumenischen Studientag in Hannover.

Dafür solle auch eine gemeinsame Liturgie erarbeitet werden, schlug Weber vor. Die Taufe bleibe zwar konfessionell, aber der ökumenische Charakter sollte in der Urkunde vermerkt werden. Weber drängte außerdem darauf, dass jeder getaufte Christ ein Patenamt ausüben kann. Die Taufe stelle ein Fundament für die kirchliche Einheit dar, sagte er im Blick auf die gegenseitige Taufanerkennung, die elf christliche Kirchen 2007 in Magdeburg ausgesprochen hatten.

Weber forderte, diese gemeinsame Basis müsse Konsequenzen haben. Für ihn sei die Taufe das „Sakrament der Einheit“. Der im Vatikan für Fragen der Ökumene zuständige Kardinal Walter Kasper formulierte etwas zurückhaltender. Durch die eine Taufe sei zwar eine gemeinsame Basis der Kirchengemeinschaft gegeben. Es sei aber wie bei einem Hausbau: Man könne nicht allein auf den Grundmauern wohnen und leben.

 



Das röm.-kath. Münster "Unsere Liebe Frau in Jerusalem" in Frauenwörth auf der Fraueninsel im Chiemsee.

  Deutscher Tempelherren-Orden feiert 54. Generalkapitel in Frauenwörth   09.06.2011

Hannover (OMCT). Der Deutsche Tempelherren-Orden OMCT feierte am 4. Juni 2011 unter reger Teilnahme sein 54. Generalkapitel im Benediktinerinnenkloster Frauenwörth auf der Fraueninsel im bayrischen Chiemsee.

Der ökumenische Rezipierungsgottesdienst wurde in dem auf die karolingische Zeit zurückgehenden, römisch-katholischen Münster "Unsere Liebe Frau in Jerusalem" in Frauenwörth unter Leitung des römisch-katholischen Pfarrers i. R. Johann Nepomuk Huber aus Breitbrunn und des alt-katholischen Priors Dr. Manfred Schneider gefeiert. Während des Gottesdienstes wurden zwei neue Rechtsritter und ein neuer Postulanten in den Orden aufgenommen.

Da die zumeist langjährig und verdienstvoll in der Ordensregierung tätigen Amtsträger nicht für eine weitere Wahlperiode zur Verfügung standen, wählte das Generalkapitel, die Jahreshauptversammlung des Ordens, eine vollständig neue Ordensregierung. Zum Ordensmeister wurde Prior Dr. Manfred Schneider, Oberderdingen (Baden-Württemberg), erwählt. Die weiteren Mitglieder der Ordensregierung sind Gunnar Nebelung (Ordenskanzler), Ralf Möllmann de Villalba (Ordensschatzmeister) und Andreas Röhl (Ordenssekretär). Der Sitz der Ordensregierung bleibt weiterhin Hannover. Das Generalkapitel dankte unter anderem dem bisherigen Ordensmeister Hans-Dieter Köhler für sein elfjähriges, segensreiches Wirken in Führungspositionen für den Orden.  

 



Kardinal Miloslav Vlk und Metropolit Jeremie Caligiorgis bei der Unterzeichnung der "Charta Oecumenica" am 22. April 2001 in Straßburg (Foto: www.cef.fr).

  10 Jahre "Charta Oecumenica": Europas Kirchen tagen in Fribourg   06.05.2011

Wien-Bern (KAP). Mit einer internationalen Tagung an der schweizer Universität Freiburg begehen die Kirchen in Europa am 9. Mai das zehnjährige Jubiläum der "Charta Oecumenica". Das Dokument war am 22. April 2001 in Straßburg vom damaligen Präsidenten des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), Kardinal Miloslav Vlk, und dem damaligen Präsidenten der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), Metropolit Jeremie Caligiorgis, unterzeichnet worden. Die Charta enthält Leitlinien für die Zusammenarbeit der Kirchen im 21. Jahrhundert. 

Die "Charta Oecumenica" versteht sich als Sendschreiben an die Mitgliedskirchen von KEK und CCEE, die eingeladen sind, sich die angeführten Leitlinien und Selbstverpflichtungen zu eigen zu machen. Demzufolge hat das Dokument keinen lehramtlich-dogmatischen oder kirchenrechtlich-gesetzlichen Charakter, dennoch stelle es "einen wichtigen Schritt und eine bedeutende Hilfe für die Kirchen dar", wie CCEE und KEK am Donnerstag in einer Aussendung betonten. 

An der Tagung in Freiburg werden sowohl der CCEE-Generalsekretär P. Duarte da Cunha als auch der KEK-Generalsekretär Rev. Viorel Ionita teilnehmen. Der Bischof von Nanterre (Frankreich), Gerard Daucourt, und Pastor Daniel de Roche, Präsident des Synodalrates des Kantons Freiburg werden eine Podiumsdiskussion zum Thema "Errungenschaften und Herausforderungen für die Kirchengemeinde in Europa" bestreiten.

Veranstaltet wird die Tagung vom Freiburger Institut für Ökumenische Studien in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz.

Selbstverpflichtungen der Kirchen

Der lutherische Bischof Michael Bünker hebt in einem Statement auf der Website des "Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich" (www.oekumene.at) die religiöse Vielfalt als Bereicherung für Kirche und Gesellschaft in Europa hervor. Die "Charta Oecumenica" nehme diese Vielfalt auf und versuche, daraus verbindliche Formen des gemeinsamen Lebens und des gemeinsamen kirchlichen Engagements zu entwickeln, so Bünker. Er ist auch stellvertretender Vorsitzendes des Ökumenischen Rates in Österreich.

Die "Charta Oecumenica" nennt Selbstverpflichtungen im Verhalten der Kirchen untereinander, gegenüber der Gesellschaft und gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen, insbesondere Judentum und Islam.

Unter Hinweis auf die altkirchlichen Glaubensbekenntnisse wie das ökumenische Glaubensbekenntnis von Nizea-Konstantinopel (381) wird auf die eine heilige apostolische Kirche hingewiesen und die daraus sich ergebende Verpflichtung, in der Kraft des Heiligen Geistes auf die sichtbare Einheit der Kirche Jesu Christi hinzuwirken (Kapitel I).

In der Erklärung (Kapitel II) werden gemeinsame Schritte auf dem Weg zur sichtbaren Gemeinschaft der Kirchen in Europa festgelegt, wie gemeinsame Verkündigung des Evangeliums, gemeinsames Handeln und die Fortsetzung der theologischen Dialoge. Wörtlich heißt es u.a.: "Die wichtigste Aufgabe der Kirchen in Europa ist es, gemeinsam das Evangelium durch Wort und Tat für das Heil aller Menschen zu verkünden."

Kapitel III des Ökumene-Dokuments unterstreicht die gemeinsame Verantwortung der Kirchen in Europa. wörtlich heißt es: "Aufgrund unseres christlichen Glaubens setzen wir uns für ein humanes und soziales Europa ein, in dem die Menschenrechte und Grundwerte des Friedens, der Gerechtigkeit, der Freiheit, der Toleranz, der Partizipation und der Solidarität zur Geltung kommen. Wir betonen die Ehrfurcht vor dem Leben, den Wert von Ehe und Familie, den vorrangigen Einsatz für die Armen, die Bereitschaft zur Vergebung und in allem die Barmherzigkeit."

Die Kirchen verpflichten sich dazu, "jedem Versuch zu widerstehen, Religion und Kirche für ethnische oder nationalistische Zwecke zu missbrauchen". Weiters wird u.a. die Verpflichtung festgehalten, "einen Lebensstil weiter zu entwickeln, bei dem wir gegen die Herrschaft von ökonomischen Zwängen und von Konsumzwängen auf verantwortbare und nachhaltige Lebensqualität Wert legen".

Besonderen Wert legen die Kirchen darauf, die Gemeinschaft und den Dialog mit dem Judentum zu vertiefen und allen Formen von Antisemitismus und Antijudaismus in Kirche und Gesellschaft entgegenzutreten. wörtlich heißt es weiter: "Es ist dringend nötig, in Verkündigung und Unterricht, in Lehre und Leben unserer Kirchen die tiefe Verbindung des christlichen Glaubens zum Judentum bewusst zu machen und die christlich-jüdische Zusammenarbeit zu unterstützen."

Zum Dialog mit dem Islam halten die Kirchen fest, dass sie Begegnungen zwischen Christen und Muslimen sowie den christlich-islamischen Dialog auf allen Ebenen intensivieren wollen.

Die "Charta Oecumenica" wurde bislang in rund 30 Sprachen übersetzt, darunter auch ins Arabische.

> Die "Charta Oecumenica" im Originalwortlaut.

 



Dr. Manfred Scheuer, röm.-kath. Bischof von Innsbruck (Foto: Diözese Innsbruck).

  Bischof Scheuer: Nicht-katholische Ehepartner zur Kommunion zulassen    27.04.2011

Vatikanstadt (rv/kap). Nicht-katholische Christen, die mit einem katholischen Partner verheiratet sind, sollten unter bestimmten Bedingungen auch zur Kommunion zugelassen werden. Das findet der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer, Österreichs „Ökumene-Bischof“. Man dürfe zwar den Fortschritt in der Ökumene nicht nur am Fortschritt bei der eucharistischen Gemeinschaft messen. Aber bei konfessionsverschiedenen Ehen sehe er da Handlungsspielraum:

„Ich denke, das ist eine große Belastung, wenn es zum Beispiel keine gemeinsame Basis der Eucharistie, des Abendmahles, des Gottesdienstes gäbe: Das kann ja eine schwere Notlage für die Ehen werden. In der Richtung denken wir also, dass unter bestimmten Bedingungen, wenn nicht-katholische Partner Ja sagen können zur katholischen Eucharistielehre, sie dann auch zur Kommunion gehen können.“

Auch der deutsche „Ökumene-Bischof“ Gerhard Ludwig Müller äußerte sich vorsichtig aufgeschlossen zum Kommunionempfang für einen nicht-katholischen Ehepartner. Der Tageszeitung „Die Welt“ sagte der Regensburger Bischof: „Wenn zum Beispiel jemand Jahre, vielleicht Jahrzehnte am katholischen Gottesdienst teilnimmt, weil er mit einem katholischen Partner verheiratet ist und unser Eucharistieverständnis akzeptiert und eigentlich Katholik ist, aber sagt, formell möchte ich nicht übertreten, dann sollte man eben die besondere Situation pastoral bewerten.“ Gemeinsame Abendmahlsfeiern von Katholiken und Protestanten seien aber vorerst ausgeschlossen. Dazu seien die theologischen Unterschiede zu schwerwiegend, meinte Müller.

Die derzeit zwischen den Kirchen noch vorhandenen Differenzen im Kirchen- und Amtsverständnis hält der Innsbrucker Bischof Scheuer nicht für unüberwindlich. Der Dogmatiker spricht von „unterschiedlichen Blickpunkten und Akzenten“, die jedoch den Blick auf den „gemeinsamen Grund des Glaubens“ nicht blockieren.

„Es geht ja auch nicht darum, unsere Unterschiede zu zelebrieren, sondern darum, dass wir Christus in der Welt mit Worten und Taten zu bezeugen. Dazu gibt es für die Kirchen keine Alternative!“

Was den theologischen Dialog zwischen den Kirchen betrifft, räumt Scheuer eine geringere Geschwindigkeit ein; „es ist aber auch nicht so, dass gar nichts weitergeht“. Der Bischof verweist auf die gemeinsame Erklärung von katholischer und evangelischer Kirche zur Rechtfertigungslehre, auch im Verständnis der Taufe und in der gegenseitigen Anerkennung derselbigen sei man inzwischen ein gutes Stück weitergekommen. Bischof Scheuer ist auch stellvertretender Vorsitzender des österreichischen Kirchenrates. (kap 21.04.2011 sk)

 



Ralf Meister, neuer Landesbischof der Ev.-Luth. Landeskirche Hannover (Foto: EKD).

  Leitender Bischof der VELKD führte Ralf Meister ein   31.03.2011

Hannover (VELKD). Das Predigen, das Verkündigen im Gottesdienst und in allen öffentlichen Äußerungen hat der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (München), als „die wichtigste Tätigkeit eines lutherischen Bischofs“ bezeichnet. „Ich habe die erstaunliche Erfahrung gemacht, dass für meine öffentlichen Äußerungen die Rechtfertigungslehre, also dass Gott uns ohne Ansehen unserer Leistungen liebt, ebenso unentbehrlich ist wie die Zwei-Regimentenlehre, die uns fein unterscheiden lässt zwischen staatlichem und kirchlichem Handeln“, sagte Friedrich im Gottesdienst am vergangenen Sonnabend, in dem er den künftigen Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Ralf Meister, in sein Amt einführte.

Die geistliche Leitung und Aufsicht in der Landeskirche sei ebenfalls eine wichtige Aufgabe – „nämlich die Sorge, für den Frieden und die Einheit der Kirche zu arbeiten“. Friedrich wörtlich: „Ich habe dies jedenfalls immer als meine wichtigste Aufgabe angesehen. Denn eine zerstrittene Kirche tut sich schwer, den Menschen unserer Zeit glaubwürdig die Liebe Gottes und den Frieden, der von Gott her kommt, weiterzugeben.“ Und was für die eigene Kirche gelte, gelte erst recht für das Miteinander der Kirchen, die Ökumene. Die VELKD sei hier in der Lage, „eine gute Rolle in der Verständigung zu spielen“. Ein Bischof habe die Funktion, das Miteinander der Christen durch die Zeiten zu symbolisieren und die Verbindung herzustellen zu den Christen auf der ganzen Welt, insbesondere auch zu den anderen Kirchen des Lutherischen Weltbundes. „Diese enge Verbindung zu Lutheranern auf der ganzen Welt macht ja auch uns zu einer Weltkirche.“

„Landesbischof sein zu dürfen, ist eine wunderbare Aufgabe! Sie macht Freude und gibt Erfüllung“, sagte Johannes Friedrich, auch wenn es in diesem Amt schwierige Situationen gebe und schwere Entscheidungen zu treffen seien. Sehr geholfen habe ihm in solchen Situationen die Geschwisterschaft in der lutherischen Bischofskonferenz. Noch wichtiger als die Präsenz und Solidarität der Kolleginnen und Kollegen im Bischofsamt sei die Solidarität und Begleitung Gottes. „Ich wünsche Ihnen, dass Sie dieses Amt möglichst oft als ein Freude machendes Amt empfinden, weil Sie in diesem Amt den Menschen etwas Freudiges, die frohe Botschaft bringen und persönlich vermitteln können.“

In dem Gottesdienst wurde auch Prof. Dr. Margot Käßmann (Berlin/Bochum) verabschiedet und von ihrem langjährigen Dienst als Landesbischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers entpflichtet. In seiner Ansprache führte der Leitende Bischof aus: „Du hast über zehn Jahre lang in diesem Amt der Landesbischöfin gedient und bist dann vor einem guten Jahr zurückgetreten. Wir möchten heute deutlich machen, welch wichtigen Dienst Du in diesen zehn Jahren für unsere Kirche getan hast. Für Deine Landeskirche, für die EKD, die Evangelische Kirche in Deutschland – deren Ratsvorsitzende Du einige Monate warst – und für die VELKD, die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche in Deutschland, dem Zusammenschluss der lutherischen Landeskirchen. Es war sehr gut, Dich in diesen Ämtern zu haben. Es war gut mit Dir im Rat der EKD. Die Sitzungen, die wir unter Deiner Leitung hatten, waren schön: Wir haben viel gelacht und gleichzeitig viel gearbeitet. Du hast engagiert und uns anderen Ratsmitgliedern zugewandt geleitet. Leider nur für kurze Zeit. Im Februar letzten Jahres bist Du ja auch von dem Amt der Ratsvorsitzenden zurückgetreten. Ich bin traurig darüber. Ich hatte mich sehr darauf gefreut, mit Dir zusammen die ganze Ratswahlperiode zu gestalten… Du warst eine Landesbischöfin, die die Menschen begeistert und die Mut gemacht hat zum Gottvertrauen, die die Menschen erreicht hat, wo und wie immer sie leben. Du hast die Fröhlichkeit des Evangeliums ausgestrahlt. Sicher, wir wissen: Niemand ist unersetzbar. Du hast fähige und gute Nachfolger, im Ratsvorsitz wie hier in Hannover. Und wir müssen ja heute nicht von der Person und nicht von der engagierten Theologin Margot Käßmann Abschied nehmen. Gott sei Dank. Und Du hast es ja schon deutlich gezeigt: Es gibt ein Leben nach dem Bischofsamt. Aber wir vermissen Dich, und das meint: Wir sind froh und dankbar, dass Du Bischöfin warst. Und wir dürfen darum feststellen: Du hast Dein Amt zum Wohle der Kirche wahrgenommen. Wir danken Gott für Deinen Dienst, für den Einsatz Deiner Gaben und Kräfte, für Deine Treue und Liebe. Du hast das Evangelium von Jesus Christus gepredigt und in vielfältigen Formen die Botschaft von Gottes Treue bezeugt. Nicht alles im Dienst einer Bischöfin liegt vor Augen. Vieles geschieht im Verborgenen. Und doch werden viele Früchte Deines Wirkens wahrgenommen. Dafür sind wir dankbar.“

 



Metropolit Hilarion von Volokolamsk, Außenamtsleiter des russ.-orth. Moskauer Patriarchats (Foto: unifr.ch).

  Neue christliche Werte-Phalanx: Moskauer Patriarchat wirbt für eine „strategische Allianz“    21.03.2011

Würzburg (kna). Am Ende spendeten die fast 2.000 Kongressteilnehmer stehend Applaus. Die Idee hatte so gezündet, dass der Moderator im Anschluss sogar von einem „historischen Podium“ sprach. Mit einer „strategischen Allianz“ will die russisch-orthodoxe Kirche im Verbund mit den Katholiken die christliche Identität Europas bewahren, das, so Metropolit Hilarion am Wochenende in Würzburg, seine kulturellen und religiösen Wurzeln eingebüßt hat.

Der Außenamtsleiter des Moskauer Patriarchates breitete seinen Plan beim Weltkirche-Kongress des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ erstmals öffentlich aus - sehr zur Freude des Publikums. Wenige Tage zuvor hatte er in der russischen Hauptstadt mit dem höchsten päpstlichen Ökumenebeauftragten, Kardinal Kurt Koch, das Vorhaben erörtert, der ebenfalls nach Würzburg gekommen war.

Beide verlasen zunächst im Kommunique-Stil gehaltene vorbereitete Stellungnahmen. Hilarion erklärte, es gelte, für die Partnerschaft die Bedeutung traditioneller Vorstellungen von Ehe und Familie sowie den Wert des menschlichen Lebens von seiner Empfängnis bis zum Tod im gesellschaftlichen Bewusstsein zu festigen. In der säkularen Welt seien diese Begriffe einer radikalen Umdeutung ausgesetzt. Zudem müsse man der zunehmenden Diskriminierung und Verfolgung von Christen gemeinsam entgegensteuern.

In seinem kulturkämpferischen Plädoyer stellte der Moskauer Metropolit alte Streitpunkte zwischen seiner Kirche und Rom völlig
zurück: von der Rolle des Papstes über das Problem der mit Rom unierten Ostkirchen bis zum nach wie vor schwelenden Vorwurf der katholischen Abwerbung orthodoxer Gläubigen. „Orthodoxe und Katholiken sollten heute einander nicht als Rivalen betrachten, sondern als Verbündete zum Schutz des Christentums“, schloss er seine Ausführungen.

Die Reaktion des Kurienkardinals auf den Anwerbeversuch fiel differenziert aus. „Strategische Allianz“ klingt in westeuropäischen Ohren sehr militärisch, machte Koch einen ersten begrifflichen Vorbehalt geltend; zugleich signalisierte er aber prinzipielle Zustimmung. Es sei wie bei Eltern, die sich über die Geburt eines Kindes freuten, aber noch über den Namen diskutieren müssten.

An einer euphorischeren Unterstützung von Hilarions Vorhaben hindern Koch aber nicht zuletzt innerkatholische Differenzen. Diese haben sich etwa vor sechs Wochen im Memorandum von mehr als 200 Theologieprofessoren niedergeschlagen, in dem unter anderem Respekt vor gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften und eine Öffnung des kirchlichen Amtes für Frauen verlangt wird. Vor Journalisten machte der Kardinal später keinen Hehl aus seiner Einschätzung: Würde die katholische Kirche diese Forderungen umsetzen, wäre die Ökumene mit der Orthodoxie sofort am Ende.

Kann eine überwiegend skeptisch bis abwehrende Grundhaltung zur Moderne die Basis einer neuen ökumenischen Bewegung sein? Diese Frage stand am Ende des Tages im Raum. Traditionsbewusste Partner gäbe es auch in der anglikanischen Kirche und protestantischen Denominationen, etwa die hochkirchliche Bewegung in England oder die Evangelische Allianz in Deutschland. Auch sie hat Hilarion im Blick.

„Wir müssen uns Gedanken machen über den Prozess der Liberalisierung der christlichen Lehre, der die protestantische und auch die katholische Theologie erfasst hat“, sagte der Metropolit. Die von ihm vorgeschlagene Allianz sei nötig, um das Christentum „vor Korruption und Entstellung“ zu schützen. Fortschrittlich denkenden Theologen, nicht nur evangelischen, dürften bei diesen Worten die Ohren klingeln.

Es war wie ein Trost gemeint, als die deutsche „Kirche in Not“-Vorsitzende Antonia Willemsen am Ende zum Kardinal sagte, der sich um den Zusammenhalt in den eigenen Reihen sorgt: „Wenn die katholische Kirche im Ganzen so wäre wie dieses Publikum, wären Ihre Probleme wesentlich leichter.“ (Christoph Renzikowski)

 



Landesbischof Weber und Ex-Ökumene Kardinal Kasper (Foto: epd).

  Kardinal Kasper sieht „wesentliche Fortschritte“ in der Ökumene   07.03.2011

Frankfurt/Main (epd, dr). Der ökumenische Dialog hat nach Einschätzung des katholischen Theologen Walter Kasper in den vergangenen Jahrzehnten wesentliche Fortschritte gemacht. Der Kardinal und ehemalige Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen begründet dies unter anderem mit der Erklärung von elf christlichen Kirchen in Deutschland 2007 zur gegenseitigen Anerkennung der Taufe.

In einem Geleitwort für ein am Dienstag (08.03.2011) erscheinendes Buch des evangelisch-lutherischen Landesbischofs Friedrich Weber aus Braunschweig ruft Kasper dazu auf, den eingeschlagenen Weg mit Geduld und Mut weiterzugehen.

Kasper sieht auch in der Zusammenarbeit in gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Fragen eine erfreuliche Annäherung. Durch ihre Äußerungen zu diesen Themen leisteten die Kirchen einen wichtigen Dienst für das Gemeinwohl.

„Pflichtgemäß strittige Fragen abzuhaken ist zu wenig“

Das Buch von Weber ist unter dem Titel „Zeitansage - Texte zur ökumenischen Situation“ im Verlag Otto Lembeck in Frankfurt/Main erschienen. Es enthält unter anderem Vorträge, Predigten und Berichte des braunschweigischen Bischofs zum Miteinander von Protestanten und Katholiken. Weber ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland und Catholica-Beauftragter der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands.

Die ökumenische Gemeinschaft der Kirchen muss nach den Worten Webers „immer wieder mit Leben erfüllt“ werden. Pflichtgemäß strittige Fragen abzuhaken sei zu wenig. Ökumenisches Engagement gehört nach Auffassung des Catholica-Beauftragten naturgemäß zum Leben von Gemeinden und Kirchen dazu und bedarf keiner eigenen Begründung.

> Weitere Informationen zum Buch "Zeitansage" von Friedrich Weber.

 





  Kontroverse um evangelisch-katholisches Buch   03.03.2011

Sankt Augustin (kath.net/idea). Zu einer Kontroverse hat ein von einem evangelischen und einem katholischen Theologen gemeinsam herausgegebenes Buch geführt: „Evangelisch? Katholisch? Never!“ erschien 2010 im Pattloch-Verlag und beleuchtet die Schwächen des evangelischen und des katholischen Glaubens aus der Perspektive der jeweils anderen Konfession.

Einer der Verfasser ist der Schriftsteller und katholische Theologe Georg Schwikart (Sankt Augustin bei Bonn), der im November zum Diakon geweiht werden sollte. Kurz vor der Weihe wurde er zu einem Gespräch mit Joachim Kardinal Meisner (Köln) eingeladen. Dabei spielten die in dem Buch vertretenen Positionen eine zentrale Rolle. Die bereits geplante Weihe wurde danach auf unbestimmte Zeit verschoben. Nun habe er erfahren, dass er auch in diesem Jahr nicht geweiht werden solle, und ziehe deshalb seinen Antrag zurück, sagte Schwikart gegenüber idea.

Einheit nicht durch „Rückkehr-Ökumene“

Nach seinen Angaben wurde kritisiert, dass er in dem Buch dazu anrege, über die Zulassung von Frauen zum Priesteramt nachzudenken. Aber auch sein Verhältnis zum Protestantismus sei auf Unverständnis gestoßen. Schwikart hatte geschrieben: „Der Weg zur Einheit kann nicht in einer ‚Rückkehr-Ökumene‘ liegen mit dem Ziel, die evangelische müsste wieder Teil der katholischen Kirche werden.“ Ziel sei vielmehr eine „versöhnte Verschiedenheit“. Aus Sicht der katholischen Kirche sind die Protestanten keine Kirche im vollen Sinne, ihnen fehlten die Weihe und damit auch die Sakramente. Manche sähen in Protestanten keine ernstzunehmenden Gesprächspartner, so Schwikart.

Schwikart: Kaum ein Protestant liest die Bibel

Die gemeinsame Arbeit mit dem evangelischen Theologen Uwe Birnstein (München) sei zeitweise kontrovers verlaufen. So habe er sich – Schwikart – der Aussage stellen müssen, Katholiken seien unaufrichtig, weil sie an der Gemeindebasis anders lebten, als es den Idealen der Kirche entspreche, etwa im Blick auf das Zölibat. Diese Widersprüche erkenne er jetzt an, da viele ihm persönlich bekannten Priester nicht zölibatär lebten. Widersprüche gebe es aber auch auf evangelischer Seite: Dort werde die Bedeutung der Bibel besonders betont und kaum ein Protestant lese sie.

Grundbestand der katholischen Lehre betroffen

Für die Verschiebung der Weihe von Schwikart sei das Gespräch mit Kardinal Meisner ausschlaggebend gewesen, sagte der Pressesprecher des Erzbistums Köln, Michael Kasiske, gegenüber idea. Schwikart sei dabei nicht zugesagt worden, dass sich seine Weihe nur um ein Jahr verschiebe. Nach dem Gespräch hatte die Pressestelle erklärt, die Buchveröffentlichung habe „Fragen aufgeworfen, die den Grundbestand der katholischen Lehre und damit den Kern des Diakonenamtes betreffen“.

> Weitere Informationen zum Buch "Evangelisch? Katholisch? Never!".

 



Ev.-luth. Landesbischof von Braunschweig Prof. Dr. Friedrich Weber (Foto: s. Hübner).

  Ökumene-Bischof: Rom muss lutherische Kirchen anerkennen   14.02.2011

Erfurt (epd). In diesem Punkt gebe es Klärungsbedarf, sagte der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands am Donnerstagabend in Erfurt. Weber erinnerte an Vatikan-Dokumente aus den vergangenen Jahren, in denen protestantische Kirchen abgesprochen wurde, «Kirche im eigentlichen Sinn» zu sein.

Der Bischof äußerte sich bei der Vorstellung einer Studie der lutherisch-katholischen Dialoggruppe «Farfa Sabina». Das «größte ökumenische Dilemma» ist Weber zufolfge, dass die Konfessionen im Wesentlichen im Glauben an Christus übereinstimmten, aber in grundverschiedenen Systemen von Kirche und Kircheneinheit dächten. Ein gemeinsames Verständnis von Kirchengemeinschaft setze die Klärung der Bedeutung kirchlicher Ämter voraus. Der lutherische Bischof begrüßte die Forderung nach einem Konzil, das diese Fragen klären könnte. Allerdings bleibe bei dieser Empfehlung offen, wer zu einem ökumenischen Konzil einlade, wer daran teilnehme und wie verbindlich seine Ergebnisse seien, gab Weber zu Bedenken.

Die Dialoggruppe besteht aus sieben katholischen und sieben lutherischen Theologen aus Skandinavien, Deutschland, Frankreich und Italien. Die Studie über «Gemeinschaft der Kirchen und Petrusamt. Lutherisch-katholische Annäherungen» geht auf den Dialog der Theologen zurück, der im Internationalen Birgittinischen Zentrum in Farfa Sabina nordöstlich von Rom stattfindet. Die Gruppe teilt die Überzeugung, dass die Wiederherstellung der «Einheit der Kirche» in der Wiederherstellung der «Gemeinschaft (selbstständiger) Kirchen» bestehe. Auf dieser Grundlage gehen die lutherischen und katholischen Theologen der Frage nach, ob ein gemeinsames Verständnis eines künftigen universalkirchlichen Einheitsamtes erreicht werden und ob dieses Amt der Gemeinschaft der Kirchen dienen könnte.

> Weitere Informationen zur Studie der Dialoggruppe Farfa Sabina.